Der Glühwurm | Ein Märchen aus Japan

In einem Sumpf stand einmal eine Lotospflanze, und in ihrem Geäst saß ein unscheinbarer, kleiner Wurm. Es war die Tochter der Feuerfliege, aber niemand beachtete sie, und sie verbrachte einsam ihre Tage. Die machte sich nichts daraus. Denn, dachte sie, wenn ich auch jetzt allein in meinem Blütenkelche liege – wenn ich groß bin, werde ich genug Gesellschaft bekommen. Und siehe, eines Abends, da strahlte ihr Körper in einem wunderbaren Lichte, sodass alle ringsum erstaunten, und die Mondsichel am Himmel zog sich vor lauter Neid hinter einer Wolke zurück. Als die anderen Insekten das seltsame Licht sahen, das plötzlich aus der Lotosblume erstrahlte, kamen sie zu Tausenden an und bewunderten den glänzenden Glühwurm. Der große Nachtfalter umflatterte den Kelch der Lotosblume, große und kleine Käfer schwirrten unaufhörlich in der Luft, zahllose buntfarbige Tiere begannen ihr zu Ehren zu summen und zu singen, so dass es weithin in den Abend tönte. Der Glühwurm aber rührte sich gar nicht in seinem duftenden Blumenbett, er lag ganz still und unbeweglich und tat, als merkte er nichts von dem Gewirr rings um ihn. Aber Abend für Abend kamen Insekten wieder und umschwärmten den Glühwurm. Da wurde dieser endlich ärgerlich, trat aus seinem Bett heraus und rief: „Mir gefällt keiner von euch, lasst mich in Ruh’, ich nehme nur den zum Manne, der mir ein Licht bringt, so wie ich’s selbst habe.“ Zuerst waren all die Insekten erschrocken, dann aber flogen sie rasch von dannen, um Licht zu holen. Sie stürzten sich tapfer und ohne sich zu besinnen in jede Lampe, jede Kerze, die ihnen in den Weg kam. Aber kein einziger Strahl blieb in ihren Flügeln hängen, sondern sie mussten kläglich zugrunde gehen und für ihr Wagnis büßen. Der Glühwurm lag nun wieder allein in seiner Lotosblume. Und vielleicht wäre er noch lange allein geblieben, wenn nicht plötzlich ein Leuchtkäfer des Weges gekommen wäre, und dieser glänzte genau so hell wie der Glühwurm. Und als sie einander erblickten, da waren sie so beglückt, so dass sie zugleich beschlossen zu heiraten. Die armen Insekten aber, welche der Glühwurm fortgeschickt hatte, mühen sich noch heute vergebens nach dem Licht. Sie verbrennen sich dabei Flügel und Füße oder den ganzen Leib und müssen traurig sterben.

In einem Sumpf stand einmal eine Lotospflanze, und in ihrem Geäst saß ein unscheinbarer, kleiner Wurm. Es war die Tochter der Feuerfliege, aber niemand beachtete sie, und sie verbrachte einsam ihre Tage. Die machte sich nichts daraus. Denn, dachte sie, wenn ich auch jetzt allein in meinem Blütenkelche liege – wenn ich groß bin, werde ich genug Gesellschaft bekommen. Und siehe, eines Abends, da strahlte ihr Körper in einem wunderbaren Lichte, sodass alle ringsum erstaunten, und die Mondsichel am Himmel zog sich vor lauter Neid hinter einer Wolke zurück. Als die anderen Insekten das seltsame Licht sahen, das plötzlich aus der Lotosblume erstrahlte, kamen sie zu Tausenden an und bewunderten den glänzenden Glühwurm. Der große Nachtfalter umflatterte den Kelch der Lotosblume, große und kleine Käfer schwirrten unaufhörlich in der Luft, zahllose buntfarbige Tiere begannen ihr zu Ehren zu summen und zu singen, so dass es weithin in den Abend tönte. Der Glühwurm aber rührte sich gar nicht in seinem duftenden Blumenbett, er lag ganz still und unbeweglich und tat, als merkte er nichts von dem Gewirr rings um ihn. Aber Abend für Abend kamen Insekten wieder und umschwärmten den Glühwurm. Da wurde dieser endlich ärgerlich, trat aus seinem Bett heraus und rief: „Mir gefällt keiner von euch, lasst mich in Ruh’, ich nehme nur den zum Manne, der mir ein Licht bringt, so wie ich’s selbst habe.“ Zuerst waren all die Insekten erschrocken, dann aber flogen sie rasch von dannen, um Licht zu holen. Sie stürzten sich tapfer und ohne sich zu besinnen in jede Lampe, jede Kerze, die ihnen in den Weg kam. Aber kein einziger Strahl blieb in ihren Flügeln hängen, sondern sie mussten kläglich zugrunde gehen und für ihr Wagnis büßen. Der Glühwurm lag nun wieder allein in seiner Lotosblume. Und vielleicht wäre er noch lange allein geblieben, wenn nicht plötzlich ein Leuchtkäfer des Weges gekommen wäre, und dieser glänzte genau so hell wie der Glühwurm. Und als sie einander erblickten, da waren sie so beglückt, so dass sie zugleich beschlossen zu heiraten. Die armen Insekten aber, welche der Glühwurm fortgeschickt hatte, mühen sich noch heute vergebens nach dem Licht. Sie verbrennen sich dabei Flügel und Füße oder den ganzen Leib und müssen traurig sterben.

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