Lohn des auf Gott Vertrauenden


Ferner wird erz├Ąhlt: Einst lebte unter den S├Âhnen Israels ein sehr frommer, reicher Mann, der auch einen sehr tugendhaften Sohn hatte. Als der Vater dem Tode nahe war, setzte sich sein Sohn ihm zu H├Ąupten und bat ihn, ihm seinen letzten Willen kund zu tun. Der Vater sagte: "Schw├Âre nie bei Gott, weder einen wahren, noch einen falschen Eid." Bald nach des Vaters Tode kam Einer von den S├Âhnen Israels zu dem Manne und sagte: "Dein Vater war mir so und so viel Geld schuldig, und du wei├čt wohl davon, gib mir also das Geld oder schw├Âre, dass du Nichts davon wei├čt." Da der Mann sich des letzten Willens seines Vaters erinnerte, gab er ihm, was er begehrte, um nur keinen Eid zu schw├Âren. Nach diesem kamen dann noch viele Andere mit falschen Forderungen, bis der Mann endlich sein ganzes Verm├Âgen hergegeben hatte. Als ihm Nichts mehr ├╝brig blieb, sagte er zu seiner gottesf├╝rchtigen Frau, die ihm zwei S├Âhne geboren hatte: "Da ich nun Alles weggegeben habe, was ich besa├č, und wenn wieder Jemand mich einer Schuld anklagt, ich gezwungen w├Ąre, zu schw├Âren, so lass uns unsere Heimat verlassen und in ein Land reisen, wo uns Niemand kennt." Er bestieg daher mit seiner Frau und seinen zwei Kindern das erste beste Schiff, ohne eigentlich zu wissen, wohin er wollte.
Aber bald wurde das Schiff zerschmettert, der Mann rettete sich auf einem Brette, die Frau auf einem andern. Die Wellen lie├čen sie nicht lange beisammen. Die Frau wurde an's Land gesto├čen in ein kleines Dorf, einer ihrer S├Âhne in ein entlegenes St├Ądtchen, der andere wurde von einem vor├╝bersegelnden Schiff aufgenommen, den Vater aber stie├čen die Wellen auf eine entfernte Insel. Sobald er dort angelangt, wusch er sich im Meer und betete; da sah er verschiedenartige Gestalten aus dem Meere steigen, die mit ihm beteten. Nach vollendetem Gebet ging er auf einen Baum zu s├Ąttigen sich an dessen Fr├╝chten. Dann fand er auch eine Wasserquelle, an welcher er auch seinen Durst l├Âschen konnte, wof├╝r er Gott dankte. So lebte er drei Tage lang, und so oft er betete, beteten Gestalten, die dem Meer entstiegen, mit ihm. Am vierten Tag h├Ârte er eine Stimme, die ihm zurief: "O frommer Mann, der seinen Herrn verehrt und den Willen seines Vaters achtet, betr├╝be dich nicht! Gott wird dir Alles wieder ersetzen, was du verloren hast; auf dieser Insel sind unermessliche Sch├Ątze verborgen, die dir der Herr schenken will, und durch dich soll diese Insel angebaut und bewohnt werden; ich werde viele Schiffe zu dir hierher senden, sei g├╝tig gegen die Leute, die darauf sind, und lade sie ein, bei dir zu bleiben, Gott wird ihre Herzen dir zuneigen." Der Mann fand bald die Sch├Ątze, die ihm Gott versprochen hatte, bald kamen auch mehrere Schiffe auf die Insel, und da er sehr wohlt├Ątig und zuvorkommend gegen die Leute war und sich sehr angelegentlich nach den Armen und Bed├╝rftigen erkundigte und sie unterst├╝tzte, so kamen immer mehr Auswanderer herbei von allen L├Ąndern her, und nach kaum zehn Jahren war die Insel angebaut und hatte eine sehr ansehnliche Bev├Âlkerung, die den frommen Juden zum K├Ânig erw├Ąhlten. Der neue K├Ânig wurde bald allenthalben wegen seiner au├čerordentlichen Wohlt├Ątigkeit ber├╝hmt, so dass sein ├Ąltester Sohn, den ein guter Mann aufgenommen hatte und sehr sorgf├Ąltig ausbilden und erziehen lie├č, auch von ihm h├Ârte und zu ihm reiste, ohne zu wissen, dass er sein Vater war. Der K├Ânig nahm ihn sehr gut auf und machte ihn bald zu seinem Geheimsekret├Ąr. Bald darauf h├Ârte auch der j├╝ngere Sohn, der ebenfalls einen guten Erzieher gefunden hatte und ein t├╝chtiger Kaufmann wurde, von diesem frommen und gerechten K├Ânig, und begab sich auch zu ihm und ward bald zum Verwalter der k├Âniglichen G├╝ter ernannt. Nicht lange nachher kam auch der Kaufmann auf die Insel, welcher des K├Ânigs Frau bei sich aufgenommen und ihr versprochen hatte, sie nie zu verlassen und ihr stets Alles zu bieten, dass sie ungest├Ârt der Gottesverehrung leben k├Ânne.

Als der Kaufmann mit der Frau vor der Insel Anker geworfen hatte, nahm er allerlei kostbare Kleidungsst├╝cke und andere edle Erzeugnisse des festen Landes zu sich und ging damit zum K├Ânig, um sie ihm als Geschenk anzubieten. Der K├Ânig freute sich sehr damit und machte ihm herrliche Gegengeschenke. Da unter den Geschenken des Kaufmanns einige Wurzeln und Medikamente waren, deren Namen und Gebrauch der K├Ânig kennen wollte, bat er den Kaufmann, bei ihm zu ├╝bernachten und ihm Alles zu erkl├Ąren. Aber der Kaufmann erwiderte: "O K├Ânig, ich habe auf dem Schiff eine fromme Frau, deren Gebet mir Segen bringt und der ich best├Ąndigen Schutz versprochen habe; ich kann sie nicht allein auf dem Schiffe lassen. Der K├Ânig sagte: "Ich will zuverl├Ąssige M├Ąnner zu ihr schicken, die sie und das Ihrige bewachen und besch├╝tzen werden. Da der Kaufmann Nichts hierauf zu entgegnen hatte, willigte er ein, bei dem K├Ânig zu bleiben und dieser schickte seinen Sekret├Ąr und seinen Verwalter auf das Schiff und befahl ihnen, es die ganze Nacht zu bewachen. Sie gingen auf das Schiff, der Eine setzte sich auf das Vorderteil und der Andere auf den Hinterteil desselben. Nachdem sie einen Teil der Nacht mit Beten zugebracht hatten, sagte Einer zum Andern: "Da uns der K├Ânig befohlen hat, das Schiff zu bewachen, so wollen wir, um nicht einzuschlafen, uns mit einander von den Weltbegebenheiten oder von unsern eigenen Abenteuern und Erfahrungen unterhalten." Da erwiderte der Andere: "Ich habe schon viel erfahren, denn das Schicksal hat mich von meinem Vater und meiner Mutter getrennt, auch hatte ich einen Bruder, der so hie├č wie du; wir waren auf einem Schiffe beisammen, das der Sturm zerschmetterte, und so wurden wir von einander getrennt." Als der Erste dies h├Ârte, fragte er nach dem Namen seiner Mutter und seines Vaters, und als Jener sie nannte, warf er sich ihm in die Arme und sagte: "Bei Gott, du bist mein Bruder!" Sie erz├Ąhlten dann einander noch Vieles, was ihnen in der Jugend widerfahren, und ihre Mutter h├Ârte Alles, aber sie nahm sich zusammen und verriet sich nicht. Als der Morgen leuchtete, sagte ein Bruder zum andern: "Lass uns jetzt nach Hause gehen und zu Hause weiter plaudern." Bald nachher kam der Kaufmann wieder und fand seine Frau sehr angegriffen. Er fragte sie, was ihr zugesto├čen. Sie antwortete: "Du hast mir diese Nacht zwei M├Ąnner geschickt, die von mir etwas Schlechtes wollten, so das ich sehr aufgebracht gegen sie bin." Der Kaufmann ging ganz zornig zum K├Ânig und erz├Ąhlte ihm, wie sich seine Vertrauten gegen die Frau benommen. Der K├Ânig, der sie wegen ihrer Ehrlichkeit und Zuverl├Ąssigkeit sehr liebte, lie├č sie sogleich rufen: auch nach der Frau schickte er, damit sie erkl├Ąre, was die M├Ąnner verschuldet haben. als die Frau erschien, sagte ihr der K├Ânig: "Was hast du Schlechtes von meinen Vertrauten gesehen?" Die Frau sagte: "O K├Ânig, ich beschw├Âre dich bei dem allm├Ąchtigen Gott, bei dem Herrn des Himmels! befiel ihnen, das Gespr├Ąch zu wiederholen, das sie diese Nacht miteinander gef├╝hrt." Auf dem Befehl des K├Ânigs erz├Ąhlten sie wieder einander die Geschichte ihrer Trennung. Da stand der K├Ânig von Throne auf, fiel ├╝ber sie her, umarmte sie und schrie: "Bei Gott, ihr seid meine S├Âhne!" Hierauf nahm die Frau ihren Schleier vom Gesicht und rief: "Und ich, bei gott, bin ihre mutter!" So blieben sie denn beisammen und lebten in Gl├╝ck und Freude, bis sie der Tod erreichte. Gepriesen sei der, welcher den Diener rettet, der sich zu ihm wendet, und Den nie besch├Ąmt, der auf ihn sein Vertrauen setzt.

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