❄️ Eisblumen | Geschichte zum Advent | zur Weihnachtszeit

❄️ Eisblumen | Geschichte zum Advent | zur Weihnachtszeit

Nun war drau├čen nirgendwo mehr eine bunte Blume zu sehen, die Beete im Garten waren mit Tannenzweigen zugedeckt, die Rosenst├Âcke hatten eine warme Strohkapuze ├╝ber den Kopf bekommen, und auch die Blumenst├Âcke vorm Fenster waren verwelkt, und man hatte sie fortgenommen.
"Schade", sagte das Sofa, das so recht behaglich hinter dem gro├čen Esstisch in der Stube stand und gerade auf das Fenster sehen konnte. "Es war so h├╝bsch, wenn die Blumen uns zunickten und uns erz├Ąhlten, was drau├čen auf der Stra├če vor sich ging." Die anderen M├Âbel fanden das auch. Der Tisch meinte zwar, man solle nicht klagen, denn jetzt fange die gem├╝tliche Zeit f├╝r die Stube eigentlich erst an! Im Sommer liefen die Menschen alle fort - hinaus in Garten, Wald und Feld. Im Winter aber blieben sie h├╝bsch in der Stube zusammen, erz├Ąhlten sich was oder lasen sich was vor, und so h├Ârten sie - die M├Âbel - doch eigentlich noch mehr als von den Blumen.
Das war wahr. Aber - sch├Âner hatte die Stube doch mit den Blumen ausgesehen, das war ganz sicher.

Nun h├Ârt, was ein paar Wochen sp├Ąter eines Morgens den M├Âbeln f├╝r eine gro├če ├ťberraschung aufbl├╝hte.
Es war bitterkalt drau├čen, und auch in der Stube war es in der Nacht so kalt geworden, dass die M├Âbel die Betten in der Schlafstube beneideten, die sich so sch├Ân mit warmen Federkissen zudecken durften. Da - als der Schrank eben aus dem Schlaf erwachte, tat er vor Verwunderung einen lauten Knacks.
Die anderen M├Âbel wachten alle davon auf, und was sahen sie? Das ganze Fenster war von oben bis unten mit einer schneewei├čen, glitzernden Eiskruste bedeckt. Es war kein gew├Âhnliches, glattes Eis. Ganz sonderbare Gebilde waren darauf zu sehn - wie Blumen, Bl├Ątter, Stiele, aber alles ganz durcheinander - manchmal schwer zu erkennen.
"Was ist das nur?" fragte ganz leise das Sofa. Es war ganz benommen von der wei├čen Glitzerherrlichkeit. "Ist der Glaser vielleicht heute nacht da gewesen und hat heimlich andere Scheiben eingesetzt?"
"Vielleicht ist's hier so ├Ąhnlich wie im H├Ąuschen der H├Ąnsel - und - Gretel - Hexe", meinte der Spiegelschrank. "Die Hexe, die in mir steht, wird die Scheiben in Zucker verwandelt haben."
Bei dem Wort "Zucker" machte die kleine schwarze Fliege, die auch mit in der Stube wohnte, sich schleunigst auf den Weg. Aber ganz entt├Ąuscht kam sie bald zur├╝ckgeflogen. "Nein - es ist kein Zucker", sagte sie. "Es schmeckt auch nicht ein bisschen s├╝├č! Aber so rau ist's wie Zucker, das ist wahr."
"Ich glaube, dass es Blumen sind", sagte das Gie├čk├Ąnnchen. Das Ofenrohr, das immer gleich ein bisschen oben hinaus war, sagte zwar: "Ach - schw├Ątzen Sie doch kein Blech!" Aber alle anderen in der Stube gaben dem kleinen Gie├čk├Ąnnchen recht.
Ja - wer hatte diese seltsamen schneewei├čen Blumen aber nur so in aller Herrgottsfr├╝he ans Fenster gezaubert? Die M├Âbel h├Ątten es gar zu gerne gewusst! Aber das Fenster - das einzige, das doch dar├╝ber h├Ątte Auskunft geben k├Ânnen - das war ganz starr und stumm, man wusste nicht, war es das vor lauter Entz├╝cken oder hatte es jemand mit den wei├čen Blumen gleich mitverzaubert.
Horch - da klang pl├Âtzlich von der Stra├če her ein Lied:

"Der Winter hat heut ├╝ber Nacht
Viel Blumen mitgebracht.
Eisblumen sind's, Eisblumen sind's -
Habt ihr's euch nicht gedacht?
ne ganze Ladung kam heut fr├╝h
Direkt vom Nordpol an,
Ganz frisch gepfl├╝ckt, ganz frisch gepfl├╝ckt,
Wie man gleich sehen kann.

Der Winter streut im Sonnenschein
Vor jedes Fenster sie.
Dooh - wundern sich die Leut da
Und staunen! Hui hihi."

"Das war der Nordwind" - sagte der Ofen. "Ich kenn' ihn an der Stimme." Die M├Âbel in der Stube waren alle ganz verstummt. Eisblumen - also Eisblumen waren das? Und der Winter hatte sie mitgebracht? Nat├╝rlich - der Winter konnte ja nur wei├če Blumen schenken, wei├č wie der Schnee. Wie wunderbar - nein, wie wunderbar war das! Eisblumen - ob die wohl auf Eisbergen oder Eisfelder gewachsen waren? Oder ob der Winter einen gro├čen Garten mit solchen Blumen hatte?
Es war doch sch├Ân von ihm, dass er die Blumen so heimlich ans Fenster gestreut hatte. Ja - er wollte mal zeigen, dass er auch sch├Âne Blumen hatte, nicht nur der Sommer! Und nun war das Fenster doch nicht mehr so kahl, nun standen wieder Blumen da und schm├╝ckten die Stube.

Aber:
"Sie nicken uns nicht zu wie die Sommerblumen", meinte das Sofa.
"Und sie winken auch nicht mit den Bl├Ątter├Ąrmchen. Und sie duften nicht - und sie erz├Ąhlen auch gar nichts", sagten die St├╝hle.
Nun kam auch noch ein Sonnenstrahl ans Fenster. Und nun verwandelte das Silber sich auf einmal in Gold - das blinkte und glitzerte, funkelte und leuchtete - nein, es ist gar nicht zu beschreiben, wie sch├Ân es war, es war wie in einem M├Ąrchen, einem Winterm├Ąrchen, es war so seltsam - ja, es war eben ein Blumengru├č aus einer fremden Welt - aus der Eiswelt! -

"Tik - tak, tik - tak, tik - tak", macht die gro├če Uhr an der Wand. Ihr war die Stille in der Stube ein bisschen ungem├╝tlich, sie war immer mehr f├╝r Leben und Bewegung. Auch der Schrank tat noch einmal einen kleinen Knacks: "Wenn wir nur etwas tun k├Ânnen, dass diese wei├čen Blumen sich auch mal bewegten."
"Ich will sie ein wenig begie├čen", sagte das Gie├čk├Ąnnchen. "Das wird wohl nichts n├╝tzen", meinte der Ofen. "Aber wenn wir jetzt mal ein Feuerchen ansteckten - so ein recht prasselndes, warmes Feuerchen - ha! Ihr solltet mal sehn, wie die wei├čen Bl├Ątter und Bl├╝ten dann auftauen und anfangen w├╝rden, sich zu bewegen. Sie sind nur so steif gefroren vor K├Ąlte." Gerade, als ob der Ofen sie gerufen h├Ątte, kam in diesem Augenblick das M├Ądchen Lina in die Stube. Sie hatte Papier und Holz in der Hand, damit macht sie - wie er es gew├╝nscht hatte - ein Feuer an.
Jetzt viel es den M├Âbeln wieder ein, wie sehr sie in der Nacht gefroren hatten. Durch die ├ťberraschung mit den wei├čen Winterblumen hatten sie's wahrhaftig ganz vergessen.
In der Stube wurde es bald w├Ąrmer und w├Ąrmer. Neugierig sahen alle nach dem Fenster hin. Aber - du lieber Himmel - was war denn das? Von den Eisblumen waren die obersten ja auf einmal verschwunden! Fort - weg - ganz weg!
Wo waren sie geblieben?
Die M├Âbel sahen sich erschrocken an.
Und da - nein, aber nein - was war denn das nur? Immer mehr von den herrlichen wei├čen Blumen verschwanden ja! Immer mehr - da guckten schon wieder die alten, durchsichtigen Glasscheiben heraus.
Es war wie ein Zauber: Langsam -man wusste nicht wie, man wusste nicht wohin - zergingen sie, zerflossen -schwanden dahin. Nichts blieb von ihnen ├╝brig als ein paar klare Wassertr├Âpfchen, und die bewegten sich nun wirklich! Langsam wie Tr├Ąnen flossen sie an den Fensterscheiben herunter!
"Das Fenster weint", sagte das weichherzige Sofa.
Aber da klang drau├čen auf der Stra├če wieder eine bekannte Stimme. Der Nordwind kam durch das Ofenrohr in den Ofen herein. Huuu - wie pfiff, und hihihi - wie lachte er!
"Nein - wie kann - wie kann man nur so dumm sein!" sagte er zu dem Ofen. "Schenkt euch der Winter da seine sch├Ânsten Blumen! Und was tut ihr? Macht Feuer an, um die Blumen recht sch├Ân zu braten. Hihihi - Eisblumen! Blumen, die in bitterer Winterk├Ąlte gewachsen sind! Als ob die W├Ąrme vertragen k├Ânnten!

Nein - es ist zum Totlachen. Aber freilich: was wissen solche Stubenhocker wie Sofa, Tisch und Ofen vom Winter drau├čen?"
Da wurden die M├Âbel in der Stube alle traurig; traurig und ├Ąrgerlich. "Der Ofen - der Ofen ist schuld daran!" riefen sie. "Ich wei├č es", sagte der Nordwind. "Er hat es gut gemeint. Aber jedermann kann so was eben nicht vertragen."
Der arme Ofen stand betr├╝bt in seiner Ecke, er war schon ganz rotgl├╝hend geworden vor Scham. Nun hatte er die sch├Ânen wei├čen Blumen zerst├Ârt - den Fensterschmuck, ├╝ber den die ganze Stube sich so gefreut hatte. Wie tat ihm das leid!
"Kannst du den Winter nicht vielleicht bitten, dass er uns wieder neue Eisblumen schickt?" fragte er den Nordwind.
"Bitten will ich ihn schon", sagte der Nordwind. "Aber ob er es tut - der alte Herr? Muss schon mal wieder bei besonders guter Laune sein - hihi! Na - wir wollen es hoffen."
"Ja - und mit der Hoffnung, tik - tak, wollen wir uns, tik - tak, zufrieden geben", sagte die Wanduhr.

Sophie Reinheimer

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2 Kommentare

  1. Eine klasse GESCHICHTE.Sowas,k├Ânnte man,auch ich immerzu lesen.Suuuuper.
    Nette Gr├╝├če von mir:::KARIN

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  2. Eisblumen.ha wer,erinnert sich nicht an sowas. Fr├╝her bei den alten Einfachglas Fenstern Kalte Zimmer.Die├ľfen kalt wurden.ABER der Wind die K├Ąlte wurde schlimmer. Die Scheibn gefroren.Eiskristalle JA Eiblumen.Ich habe es,als Kind erlebt❗Hat trotz grausiger K├Ąlte Spa├č gemacht.
    LG Karin

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