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Kleine Geschichte zum 1. Advent - Weg meiner Gedanken

Winterlandschaft - Hütte vor einem Wald

Weg meiner Gedanken

Warm eingekleidet, umhüllt von einem dicken Schal, die gestrickte, schwarze Haube aufgesetzt, machte ich mich auf den Weg in den Wald. Es hatte geschneit, ein kalter Wind blies mir ins Gesicht und ich hatte meinen Kopf nach unten geneigt. Mochte es zum Schutz vor der Kälte sein oder weil mir meine Probleme zu schwer geworden waren.


Die Uhr zeigte mir mein inneres Wissen, dass es später Nachmittag war.  Ich wollte die Natur genießen, die wunderschöne, schneebedeckte Landschaft und die Stille des Waldes hören. Dabei pochten mir immer wieder meine Gedanken in meinem Kopf, wie sinnlos das Leben doch ist, wie egoistisch die Menschheit geworden ist, dass ein viel zu großes Nehmen als Geben herrscht und in einer beinahe oberflächlichen Art und Weise tiefgründiges, wie optimistisches Denken als Marketingschrei boomt. 

Ich hatte kein Vertrauen mehr. Nicht mehr in mich, in mein Leben und in alles andere. Kann man etwas so leicht verlieren, dass weder eine Form, noch greifbar ist? Meine Gedanken streiften an die vielen Geschichten, die ich in der virtuellen Welt gelesen hatte, an diese Mutmacher-Zitate und wie einfältig es doch war, diese zu teilen. Ich spürte, dass mir die Kälte Kraft raubte, oder waren es meine Gedanken, meine Stimmung, die mir Energie entzog? Der Wille, den Wald zu erreichen, war da, obgleich ich zu Hause in meinen vier Wänden auch diese Ruhe spüren hätte können, vermutlich wohlig warm durch das Feuer im Kamin, das ich noch bevor ich mich auf den Weg machte, entfachte, um später bei einer Tasse heißem Tee im wohlig warmen Wohnzimmer zu entspannen. 

Nun jedoch wollte ich meine Gedanken verlieren und vielleicht neue entdecken. Ein bisschen Vertrauen würde mir gut tun, es muss keineswegs großes Vertrauen sein. Lediglich in das Leben wäre schon angenehm. Die Tiefen jagen einem vieles durch den Kopf, die schönen Momente lassen den Kopf entspannen und die Zeit viel zu schnell verstreichen. 

Ich nahm meine Umgebung kaum wahr, merkte jedoch, dass ich scheinbar alleine war. Vermutlich waren alle in ihren Häusern und lasen in Büchern oder auf den Bildschirmen. Als Entspannung. Vielleicht sucht gerade in diesem Augenblick jemand dasselbe wie ich: ein bisschen Vertrauen. 

Je mehr Schritte ich wagte, umso mehr schien es mir, als würde mein Kopf leer werden. Die vielen, abertausenden Gedanken begannen sich schon auf meinem Weg allmählich auszuruhen und ich merkte, wie ich meinen Kopf einfach klein wenig hob. Wir können uns schon glücklich schätzen, denke ich. Abseits von all dem Trubel, sei es im Außen, durch diese vielen, vielen Aufmerksamkeiten die wir schenken, oder diese Aufmerksamkeiten nach innen gerichtet, unseren Gedanken zu Liebe, herrscht rund um uns die Perfektion der Natur, die immerhin, auch wenn wir es oftmals nicht glauben oder wahrnehmen, größer als wir ist. Sie scheint fehlerfrei zu sein oder fügt beinahe alles, was sich nicht auf dem rechten Weg befindet, genau dorthin, wo der individuell passende Platz ist. 

Ich erreiche den Pfad, der durch den Wald führt. Irgendwelche Menschen hatten ihn schon gegangen und Schneeflocken haben sich nun, wie auch überall sachte auf ihn niedergelegt. Heute gehe ich ihn alleine, mit dem sehnlichsten Wunsch, ein bisschen Vertrauen zu gewinnen. 

Wie angenehm ist diese Ruhe im Wald. Wie kraftvoll wirken die Bäume, wie schön glitzern stellenweise diese lieblichen Schneeflocken, dicht aneinander gereiht, je nachdem wie sie fallen. Es dürften schon etwa zwei Stunden vergangen sein, es wurde dunkel und es drängte in mir selbst, nach Hause gehen zu müssen. Irgendwann gab ich meiner inneren Stimme nach und kehrte um,geprägt von dem Bild und der Leere in meinem Kopf und es schien, als könnte ich mir selbst in diesem unscheinbaren, kleinen, persönlichen Augenblick sagen: Ich habe gerade ein bisschen Vertrauen erlebt. 

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